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Title: Martin Heideggers Auslegung des parmenideischen Lehrgedichtes
Author: Günther Neumann
Issue: Eksistenz. Vol.4, No.1 (Dec. 2025), 3-41
Language: Deutsch
Document Type: Research Article
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Zusammenfassung: Heideggers Auslegung und Übersetzung der griechischen Philosophen ist von philologischer Seite oft kritisiert worden, weshalb einleitend der hermeneutische Leitfaden seiner Parmenides-Interpretation kurz erörtert wird. Seine eingehende und umfassende Auseinandersetzung mit den Vorsokratikern erfolgt erst in seinem späteren Denken. Die im vorliegenden Beitrag ausschließlich herangezogene Vorlesung vom Sommersemester 1932 ist dadurch ausgezeichnet, dass sie als ein Weg in das spätere Ereignis-Denken zu betrachten ist und zugleich die einzige Gesamtinterpretation des parmenideischen Lehrgedichtes gibt. Von den hier ausgelegten beiden Teilen des Lehrgedichtes, dem Aletheia-Teil und dem Doxa-Teil, sind die drei von Heidegger untersuchten Wege zu unterscheiden: der von der Göttin verkündete Weg der Wahrheit (Unverborgenheit), der Weg des Nichts, „der schlechthin aussichtslos ist und zu nichts führt“, und der Weg des Scheins, „der Gemeine Menschenweg“, der für ihn „doch zu etwas führt“. Er führt nämlich zum Erscheinenden, das nicht für sich selbst scheinhaft ist, sondern die Erscheinung wird in Heideggers Auslegung erst dann zum Schein, wenn die Sterblichen das erscheinende Seiende vermeintlich für das eine-einfach-einzig-selbige Sein selbst nehmen.

Abstract: Heidegger’s interpretation and translation of the Greek philosophers has often been criticized from a philological perspective, which is why the hermeneutic guideline of his exegesis of Parmenides will be briefly discussed in the introduction. His in-depth and comprehensive engagement with the PreSocratics only occurs in his later thought. The lecture from the summer semester of 1932, which is used exclusively in this article, is distinguished by the fact that it can be regarded as a path into the later Enowning-Thinking (Ereignis-Denken) and at the same time provides the only complete interpretation of the philosophico-didactic poem of Parmenides. From the two parts of the poem presented here, the Aletheia part and the Doxa part, the three paths examined by Heidegger must be distinguished: the path of truth (unconcealment) proclaimed by the goddess, the path of nothingness, “which is absolutely without prospects and leads to nothing,” and the path of appearance, “the Common Human Path,” which for him “still leads to something.” It leads to the appearing, which is not seemingly in itself, but in Heidegger’s interpretation, the appearance only becomes a semblance when mortals supposedly take the appearing being for the one-simply-unique-same Being itself.


摘要: 海德格尔对希腊哲学的阐释与翻译常受到语文学界的批评, 因此本文开篇将简要探讨其阐释巴门尼德思想所遵循的诠释学原则。 他对前苏格拉底哲学家的深入系统研究实则见于后期思想。 本文专引的1932年夏季学期讲座具有双重意义: 既可视为通向后期的本有思维(EreignisDenken) 之路径, 又是对巴门尼德教谕诗唯一完整的诠释。 该教谕诗包含“ 无蔽” 与“ 意见” 两部分, 需区分海德格尔剖析的三重道路: 女神宣告的真理(无蔽) 之路; 那条“ 绝无前景、 通往虚无” 的空无之路;以及“ 常人之路” 的表象之路——此路对他而言“ 仍通达某物” 。 它通向显现者, 而显现本身并非虚妄; 依海德格尔的阐释, 只有当终有一死者误将显现着的存在者当作单纯唯一同一的存在本身时, 显现才蜕变为表象。

Keywords: Parmenides; Heidegger; Hermeneutik; Wahrheit; Aletheia; Doxa; Sein; Nichts; Schein; Erscheinung; Anwesenheit; Zeit; Einheit